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Klimaveränderung und Wildtiere
Die Veränderung des Klimas ist ein stetiger Zustand mit dem die Natur seit jeher umzugehen hat. Bedingt durch asthronomische oder geophysikalische Prozesse wechseln Warm- und Eiszeiten ab. Die dezeit stattfindenen Veränderungen werden erstmals von einem Erdbewohner, dem Menschen, beeinflusst. Es liegt also auch in der Verantwortung der Forschung die Auswirkungen einer anthropogen versärkten Klimaerwärmung auf die Natur zu untersuchen. Die interdisziplinären Beiträge von "Wildtier & Lebensraum" werden hier präsentiert!

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Zur Bedeutung des Klimawandels für Ernährung und Krankheiten alpiner Wildtierarten - StartClim2014.D
 
Univ. Doz. Dr. Armin Deutz, Dr. Gunther Greßmann, Dr. Thomas Guggenberger, Dr. Albin Blaschka
 
Wildtiere des Alpenraumes wurden in den letzten Jahrzehnten mit sich wandelnden Lebensraumfaktoren sowie Krankheitserregern konfrontiert. Dieses Projekt beschäftigte sich mit dem Einfluss des Klimawandels auf

  • - Krankheiten und Parasitosen alpiner Wildtiere,
  • - die Futter- und Äsungsqualität und Pflanzenphänologie sowie
  • - das Hornwachstum von Steinböcken

Der erste Projektteil gibt einerseits einen Status quo zu den bei Wildtieren im österreichischen Alpenraum auftretenden Krankheiten, um aktuelle und zukünftige Entwicklungen erkennen und abschätzen zu können. Die Projektdaten belegen eine deutliche Zunahme parasitärer Erkrankungen in Hochlagen bis auf über 2.500 m Seehöhe. Der zweite Projektteil zeigt auf, dass sich in den letzten Jahrzehnten der Vegetationsbeginn in inneralpinen Tälern um 3 bis 4 Tage pro Dekade verfrüht hat. Damit ergeben sich ernährungsphysiologische Probleme besonders bei Jungtieren, welche Pflanzen mit höherem Rohfasergehalt schlechter verdauen, sich damit körperlich schlechter entwickeln und krankheitsanfälliger werden.Im dritten Teil dieser Arbeit wurde versucht, über Vermessungen von Steinbockgehörnen einen Einfluss des Klimawandels auf das Hornwachstum zu erfassen.
Der Klimawandel hat sowohl einen Einfluss auf die Verbreitung und Vermehrung von Krankheitserregern als auch auf Haus- und Wildtiere selbst sowie auf ihren Lebensraum und die Vegetation. In diesem Beitrag werden diesbezügliche Risikofaktoren und einige Beispiele von Parasitosen und Infektionskrankheiten aufgezeigt. Zudem ist mit dem Auftreten von für Mitteleuropa „neuen“ Krankheitserregern, die überwiegend auch Zoonosen sind, zu rechnen. Anhand von Beispielen, wie Tularämie oder IKK wird auf Witterungs- und Klimafaktoren näher eingegangen und weitere Faktoren, wie Hitzestress und Wassermangel besprochen, die einerseits immunsuppressiv wirken und bei Haustieren auch zusätzlich tierschutzrelevant sein können. Erregerhaltige Zecken und Stechmücken sind bereits in deutlich größeren Seehöhen nachweisbar als noch vor 20 Jahren. Auch Parasiteneier und -larven sowie Zwischenwirte von Parasiten sind bereits in höheren Lagen nachweisbar. Zusätzlich wird der Einfluss des Klimawandels auf die Vegetation beleuchtet. In den letzten Jahrzehnten hat sich der Vegetationsbeginn in inneralpinen Tälern um 3 bis 4 Tage pro Dekade verfrüht. Damit ergeben sich zumindest bei Wildtieren ernährungsphysiologische Probleme besonders für Jungtiere, welche Pflanzen mit höherem Rohfasergehalt schlechter verdauen, sich damit körperlich schlechter entwickeln und krankheitsanfälliger werden. Aber auch bei gealpten Nutztieren ist mit einer Beeinträchtigung der Leistung zu rechnen. Eine weitere temperaturabhängige Erscheinung ist das Ansteigen der Waldgrenze, was sowohl Bedeutung für die Almwirtschaft als auch für die Lebensräume alpiner Wildtierarten und nicht zuletzt für den Tourismus hat.

GIS-gestützte Ermittlung der Veränderung es Lebensraumes alpiner Wildtierarten (Birkhuhn, Schneehuhn, Gamswild, Steinwild) bei Anstieg der Waldgrenze aufgrund Klimaveränderung

Jakob Schaumberger, Dr. Mathias Schardt, Mag. Thomas Guggenberger, DI Heinz Gallaun, Mag. Andreas Schaumberger, Dr. Armin Deutz, Dr. Gunther Greßmann, Dr. Johann Gasteiner 

Die Wildtierarten Birkhuhn, Schneehuhn sowie Gams- und Steinwild haben sich im Laufe ihrer Evolution perfekt an das Leben in alpinen Lagen, hauptsächlich über der Waldgrenze angepasst und sind somit Teil dieses sehr empfindlichen Ökosystems. Unter Annahme des Ansteigens der Waldgrenze aufgrund Klimaerwärmung verringert sich der Lebensraum dieser Wildtierarten massiv. Als Grundlage für die Ermittlung der Veränderungen wurde die Temperaturentwicklung der vergangenen 50 Jahre genauer betrachtet sowie das Klimamodell MM5 für eine Abschätzung der zukünftigen Erwärmung herangezogen. Die Temperaturentwicklung in den vergangenen 50 Jahren zeigt für die ersten zwei Dekaden sogar eine Abkühlung, seit 1970 aber einen starken Anstieg. Das Klimamodell prognostiziert für die nächsten 50 Jahre eine Erwärmung von ca. 2,2°C für das Untersuchungsgebiet in den Niederen Tauern.
Das Baumwachstum ist sehr stark von der Temperatur abhängig und eine hohe Korrelation zwischen der Wachstumsgrenze von Bäumen und der 10°C Juli-Isotherme wurde nachgewiesen. Das Klimamodell MM5 zeigt für die nächsten 50 Jahre einen prognostizierten Anstieg der Isothermen um ca. 450 Höhenmeter. Prognostizierte Temperaturveränderungen hängen jedoch sehr stark vom verwendeten Klimamodell ab. Über die Geschwindigkeit, mit der sich die Waldgrenze zur temperaturbedingten Wachstumsgrenze hin bewegt, kann keine Aussage getroffen werden und wäre Gegenstand zukünftiger Forschungsarbeiten. Weiters übt die Bewirtschaftung durch den Menschen einen sehr großen Einfluss auf den Verlauf der Waldgrenze aus. Daher ist noch nicht absehbar, wie diese sich verändern wird. Die aktuellen Lebensräume wurden nach einem wissensbasierten Habitatmodell mit Hilfe eines Geografischen Informationssystems (GIS) erstellt. Unter der Annahme, dass die zukünftige Waldgrenze die Höhe der berechneten Isotherme für die Dekade 2040-2050 erreicht, führt diese Verschiebung zu einem dramatischen Verlust an Lebensraum.

Mit der langjährigen Tradition der Almbewirtschaftung wurden der Vegetation angepasste Auftriebszeiten estgelegt, die regelten, wann eine entsprechende Weide oder Alm bestoßen werden durfte. Durch fortschreitende Änderungen der Standortsbedingungen, nicht nur in Folge des Klimawandels, sind vorhandene Daten und darauf basierende Methoden und Traditionen zu prüfen, wo Änderungen in den traditionellen Nutzungsformen fachlich notwendig sind oder in Zukunft notwendig werden.

Untersuchung zur Verbreitung der Tularämie unter dem Aspekt des Klimawandels

von Dr. Armin Deutz und Mag. Thomas Guggenberger 

Im Untersuchungsgebiet (Niederösterreich, Burgenland, Steiermark) wurden im Zeitraum von 1994 bis 2005 insgesamt 271 Fälle von Tularämie, einer auf den Menschen übertragbaren bakteriellen Infektionskrankheit, bei Feldhasen erfasst und georeferenziert. Zusätzlich standen für die gewählte Region die Temperatur und Niederschlagsdaten zur Verfügung. Aus diesen wurde für geeignete Monatsmittelwerte bzw. Periodensummen eine höhenabhängige Temperaturverteilung berechnet. Der Niederschlag wurde ohne Einfluss der Höhe mit der geostatistischen Methode des Universal-Kriging berechnet. Aus den beiden Klimaparametern und den lokal auftretenden Erkrankungsfällen konnte ein erstaunlich guter Zusammenhang mittels eines linearen Regressionsmodeles erstellt werden. Beachtlich ist der hoch signifikante (p< 0,05) Einfluss der gewählten Parameter (Durchschnitt der Monatsmitteltemperatur Dezember, Jänner und Februar; Monatsmitteltemperatur Mai; Niederschlagssumme Juni und Juli) auf die Häufigkeit der Erkrankungen und das erzielte Bestimmtheitsmaß (R²) von 74,6 %. Auf Basis dieser Erkenntnisse wurden empirische Grenzen für die in der Formel definierten Parameter festgelegt, die der tatsächlichen räumlichen Ausbreitung in der Geoanalyse am Besten entsprechen. Demzufolge ist die Wahrscheinlichkeit des Auftretens der Tularämie hoch bei einer Jahresniederschlagssumme unter 720 mm, einem Sommerniederschlag um 180 mm, einer Wintertemperatur über 0,5 ° Celsius und einer Maitemperatur unter 14° Celsius. Für eine Prognose des Ausbreitungsgebietes im Jahr 2035 wurde eine Temperaturerhöhung zwischen 2 und 4 ° Celsius unterstellt. Unter diesen Bedingungen könnte sich die Tularämie aus dem östlichen Flachland langsam über das Donautal weiter in den Westen und über die Südsteiermark weiter in den Süden verbreiten. Zusätzlich wären Fälle in inneralpinen Gunstlagen möglich. Dies bedeutet, dass mit einer Ausweitung des potenziellen Tularämie-Verbreitungsgebietes (von dzt. 13% auf 46,5% der österreichischen Landesfläche) gerechnet werden muss. Eine entsprechende Information an die Risikogruppen (Jäger, Förster, Landwirte, Laborpersonal, Präparatoren, Hausfrauen (u.a.), verbunden mit Verhaltensempfehlungen erscheint ratsam.

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